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HERMAN PLASMANS, ein Porträt

Kameleon, 2019

Zuerst einige biographische Daten. Herman Plasmans (Mortsel 1957) wohnt und hat seine Malerwerkstatt in Wommelgem. In seiner Gymnasiumzeit am Sint-Jan Berchmanscollege in Antwerpen zeigte er große Interesse für die Archäologie. Er hat Verwaltungswissenschaften studiert und war ab 1985 bis 2008 Gemeindebeamter in Schoten. Als Seniorenberater hat er 2004 am Hochinstitut Familienwissenschaften mit der Diplomarbeit: “Zorgbehoeftes van oudere lesbiennes” (“Sorgebedürfnisse älterer Lesben”) absolviert. Seit 2008 funktioniert er als freiberuflicher Seniorenberater mit sozialen und kulturellen Vorträgen. Herman Plasmans hat seit dem Tod seiner Mutter im Herbst 2001 bewusst mit Malen angefangen. Die frei gewordene Energie wurde in den plastischen Künsten kanalisiert. Er hat bei Inneke Staal in Schilde an einem Malerkurs teilgenommen. Neben der Malerei hat er eine ausgesprochene Passion für posierte Porträtfotografie und als Schriftsteller hat er sich einigen Veröffentlichungen gewidmet angewandt.

Diese Analyse wird sich auf seine Gemälde, Collagen und Assemblagen seit 2002 konzentrieren. Bereits vom Anfang an stürzt er sich nicht nur auf die klassischen Medien der Malerei (z.B. Acryl auf Leinwand), sondern wird er auch Collagetechniken benutzen. Die Collage ist ein aus Papierstücken oder –Schnipseln, Textil oder Sand hergestelltes Kunstwerk, die auf einer Tafel oder Leinwand geklebt werden und derart in oder bis zu einem Gemälde bearbeitet werden. Diese Technik wurde seit 1915 zuerst von den Dadaisten wie dem Deutschen Kurt Schwitters und dem Flamen Paul Joostens.

Mythe, 2004

Ein typisches Werk von Herman Plasmans aus der Anfangszeit hat (“Mythus”) (2004) als Titel. In diesem Gemälde ist der Hintergrund eine lyrisch abstrakte, sanfte Farbensymphonie (Acryl auf Leinwand) mit als Collage das Lichtbild einer/eines Frau/Mannes, die/der zu schweben scheint. Der Zuschauer steht vor einem Rätsel. Auf den ersten Blick ist es eine Frau aber es könnte auch ein Mann sein. So entsteht ein Mythos. Der Künstler hat sich in seiner Jugend viel mit Archäologie beschäftigt und gibt zur Zeit viele Vorträge über mythische, ikonische Figuren aus der Welt der Künste, von Coco Chanel über Pablo Picasso bis zu Marguerite Yourcenar. Diese Leinwand “Mythus” ist mit den Worten des italienischen Kunstphilosophen Umberto Eco ein “offenes Kunstwerk” mit zahlreichen Interpretationsmöglichkeiten. Persönlich betrachte ich in diesem Gemälde eine Vorstellung des Ikarus-Mythos. Ikarus ist der Sohn des Dädalus, der mit ihm auf künstlerischen Flügeln aus dem Labyrinth flüchtet aber sich der Sonne zu stark annähert, wodurch die mit Wachs befestigten Flügel lösen und er ins Meer stürzt (Ovid, Metamorphosen). Ein ewiges Thema in den bildenden Künsten: von Breughel über Paul Van Hoeydonck bis zu Herman Plasmans.

Portret, 2010

In dieser Collagetechnik geht er weiter und wird er neben Papier auch Textil benutzen. Ein typisches Werk ist dabei ein expressives “Portret”(“Porträt”) einer Frau aus 2010 in gelber, grüner und roter Farbe mit Acryl und Textil auf Leinwand. Das Bild der Frau ist übrigens eine Konstante in seinem Werk. Und dieses Experiment hat kein Ende. Er geht in die Richtung der Assemblage. Die meist diversen Objekte hat er inzwischen auf Leinwand geklebt: unter anderen Lichtbilder, Röntgenbilder, Holz, Zeitungen, Metall, Stein, Gummi, Seil, Kabel, Fliegendraht, Plastik, Dosen, Pflanzen, Kleidung aller Art: Seide, Spitzen, Jeans, Broderie. Das Wort Assemblage kommt vom französischen “assembler” (zusammenfügen) her. Es ist das Zusammenfügen allerlei Objekte wie Müll (Junk Art), öfters “Objets Trouvés” (gefundene Objekte) innerhalb eines Gemäldes, Tafel oder Leinwand oder in einer freistehenden Montagestruktur. Vornehme Figuren sind u.a. der Franzose Jean Dubuffet, der in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts diesen Namen “Assemblage” zum ersten Mal benutzte, der Amerikaner Robert Rauschenberg (Combine Paintings) und die Flamen Vic Gentils und Paul Van Hoeydonck.

Hoofden, hand, voet, 2010

Ein typisches, sehr expressives Werk einer solchen “Combine Painting” von Herman Plasmans hat den Titel “Hoofden, hand, voet” (Köpfe, Hand, Fuß”) aus 2010 mit Acryl und Stift, Mixed Media, Lack, Holz, Papier auf Leinwand. In der gleichen Experimentaltechnik gibt es “Kameleon” (Chamäleon”) aus 2019 mit Acryl und Broderie/Spitzen auf Leinwand. Dieses Werk ist seinerseits abstrahierend. Ein Chamäleon ändert seine Farbe je nach dem Setting. Vom Thema “Frau” nach “Paris” ist nur ein kleiner Schritt in seinem Oeuvre. “Rue Jacob” (2020) ist ein frivoles Gemälde mit einer auffälligen Figur und mit Stift und Lippenstift auf Leinwand. In “Nabij Pont de l’Alma” (“In der Nähe der Pont de l’Alma”) (2018) mit Gebrauch von Stiften auf Leinwand stellt er einen Frauenkopf dar, der sich sozusagen als Ausdruck auf den Existenzialismus bezieht. Herman Plasmans kennt die französische Philosophie/Literatur sehr gut und gibt darüber sehr geschätzte Vorträge. In seinem Oeuvre wechseln sich die figurative Werke mit abstrakten Werken ab. Herman Plasmans wird sich hiermit bei der sogenannten lyrischen oder warmen Abstraktion anschließen, wobei die Improvisation und der individuelle, schöpferische Einsatz eine große Rolle spielen. Form, Farbe und Linie stehen hier zentral. Diese Werke tragen den Titel “Compositie” (“Komposition”) (2014-2018-2019).

Nabij Pont de l’Alma

Herman Plasmans ist also ein mehrfaches Talent. Er ist nicht nur Schriftsteller, Wortkünstler, Maler, Collagist, Assemblagist sondern auch ein begeisteter Fotograf. Und innerhallb der Kunstfotografie entwickelt er eine aparte Nische. Er geht von einem Konzept, einem Begriff in der gegenwärtigen Kunst, aus. Er bittet zufällige Passanten oder gute Bekannten, die ihn innerlich oder äußerlich berühren, ob er sie fotografieren darf, und bearbeitet diese Lichtbilder zu einzigartigen Kreationen. Im gleichen Geiste fotografiert und bearbeitet er Lichtbilder von Schaufenstern von z.B. Mode- oder Dessousgeschäfte.

Mijn gevecht tegen corona, 2021

Ich komme zu einem Beschluss. Herman Plasmans hat sich mit seiner Malereikunst, Collagen, Assemblagen, Fotografie in den 2 vergangenen Jahrzehnten als ein vollwertiger, gegenwärtiger Künstler mit einer eigenen, erkennbaren Stil entfaltet. Er greift die Grenzen der Figuration und der Abstraktion ab. Die wichtigsten Themen in seinem Werk sind die Frau in allen ihren Gestalten, die Natur in allen ihren Facetten und mehr literarisch-philosophische Gedanken mit Titeln wie: “Levenskunst” (Lebenskunst”), “Mythus”, “Sprookje” (“Märchen”), “Zen”, “De Schepping” (“Die Schöpfung”), “Wijsheid” (“Weisheit”), “Meditaties” (“Meditationen”), “Het geschreven woord” (“Das geschriebene Wort”), … Einige Werke wie “Cor(ona)” (2021) und “Mijn gevecht tegen corona” (Mein Kampf gegen Corona”) (2021) richten sich auf die Aktualität. In diesem letzteren Werk sieht man seinen Kopf, den Bogen und den Pfeil seines Großvaters, die Federn eines Papageis und ein kleines Geweih. Wirklich ein beklemmendes, surreales Bild eines vielfaltigen Künstlers.

Ernest Van Buynder, Ehrenvorsitzender MuHKA.